Rechter Kazenjammer
junge welt 17.02
Etwa 12000 Antifaschisten hatten mit Massenblockaden dafür gesorgt, daß die rund 6000 Neofaschisten nicht wie ursprünglich geplant durch die Dresdner Neustadt marschieren und den 65. Jahrestag der Bombardierung der Stadt für ihre Zwecke mißbrauchen konnten.
Während Nazigegner den Erfolg von Dresden bundesweit bejubeln, übte der Chemnitzer Politologe Eckhard Jesse harsche Kritik an den Massenblockaden, die er als »eine Niederlage für den Rechtsstaat« bezeichnete, da sich die Antifaschisten »über Recht und Gesetz hinweggesetzt« hätten. Der Politikwissenschaftler, dem die Süddeutsche Zeitung in der Vergangenheit attestierte, durch die »Bagatellisierung von Rechtsextremismus aufgefallen« zu sein, geht jedoch noch weiter. Zumindest indirekt wirft er den Blockierern vor, durch die »vermeintliche Schmach«, die diese den Neofaschisten durch die Verhinderung des Aufmarsches beigebracht hätten, zu einem Gemeinschaftserlebnis der Rechten beigetragen zu haben. Daher sei zu erwarten, daß die Rechtsextremen in den kommenden Jahren »erst recht« in Dresdner aufmarschieren wollen würden, so Jesse. Folgt man der Logik des Politologen, hätten die Neonazis offenbar künftig auf Aufmärsche in Dresden verzichtet, wenn man ihre Hetze diesmal widerstandslos zugelassen hätte. Bereits seit Jahren fällt Jesse mit Attacken gegen Linke auf. So behauptete er in der Vergangenheit, daß die Gefahr von rechts hochgespielt würde, während man den Kampf gegen »Linksextremismus« vernachlässige. Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit behauptete in ähnlichem Duktus, daß bezüglich der Verhinderung des Naziaufmarsches die Gewalt über Recht gesiegt habe. ganzer Artikel